Die atmosphärische Einstimmung auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in der chinesischen Hauptstadt hätte gelungener nicht sein können. Mehr als 1500 Gäste feierten im Kurhaus in Wiesbaden den hessischen Spitzensport und seine Protagonisten. Rund um die Wahl der Sportler des Jahres 2007 hatte der veranstaltende Landessportbund Hessen e.V. ein asiatisch angehauchtes Unterhaltungsprogramm zusammengestellt, das keine Wünsche mehr offen ließ. Die zum sechsten Mal zelebrierte Olympische Ballnacht warf einen glanzvollen Lichtstrahl nach Peking voraus.
Von Margit-Rosa Rehn
Die Entzündung der Festflamme im Foyer des Kurhauses, wo die Theater Company Fenix zum Empfang der Ballgäste ein optisches Schauspiel aus schwebenden chinesischen Seiden-Luft-Skulpturen entfachte, hatte eine vorausschauende Dramaturgie. Denn gemeinsam mit Hammerwurfweltmeisterin Betty Heidler, die wenig später zur Sportlerin des Jahres gekürt wurde, war es Fußballweltmeisterin Steffi Jones, die die Olympische Ballnacht symbolisch eröffnete. Die beiden Frankfurterinnen wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was sich in Schanghai tags darauf abspielen würde: Die deutschen Fußballfrauen holten im Finale gegen Brasilien ihren zweiten Weltmeistertitel - dies unter Beteiligung gleich mehrerer Hessinnen, darunter auch Birgit Prinz, die Kapitänin des Teams. Schon einen Tag nach der Olympischen Ballnacht war das Olympialand 2008 zum Schauplatz einer großen deutschen Erfolgsgeschichte geworden. Ein gutes Omen fürs kommende Jahr!
Sehen und gesehen werden
Im festlich beleuchteten Friedrich-von-Thiersch-Saal, der als schönster Ballsaal Deutschlands gilt, begrüßte Dr. Rolf Müller, der Präsident des Landessportbundes Hessen, eine Vielzahl bekannter Persönlichkeiten aus Sport und Politik. Darunter Hessens Ministerpräsident Roland Koch, sein Innen- und Sportminister Volker Bouffier, Wiesbadens neuer OB Helmut Müller, aber auch Heinz-Georg Sundermann, der Chef von Lotto Hessen, ließ sich die Olympische Ballnacht nicht nehmen. Auch aus den Reihen des von der Stiftung Sporthilfe Hessen geförderten Hessenteams hatten zahlreiche Athletinnen und Athleten den Weg nach Wiesbaden gefunden: Hochspringerin Ariane Friedrich genauso wie die Judoka Riccarda Rau oder die Handicapsportler Dieter Meyer (Tischtennis) und Klaus Lungershausen (Radsport). Für den nötigen Glamourfaktor sorgte u.a. Prinz Michael von Anhalt in Gardeuniform und mit einer aufsehenerregenden Ballschönen am Arm.
Aller Ehren wert
Nach einem so vorzüglichen wie asiatisch inspirierten Crossover-Menü hieß es "Vorhang frei" für Hessens Beste. Die Wahl zur Sportlerin des Jahres fiel keineswegs überraschend auf Hammerwurfweltmeisterin Betty Heidler (LG Eintracht Frankfurt), die mit ihrer eleganten Steckfrisur bewundernde Blicke auf sich zog: Frenetische "Betty, Betty"-Rufe hallten durch den Raum. Newcomer des Jahres wurde der Schwimmer Yannick Lebherz (DSW Darmstadt), der bei der Junioreneuropameisterschaft Gold, Silber und Bronze geholt hatte. Das gilt auch für Robert Dorries, den Sieger in der Kategorie Behindertensport, der bei der Weltmeisterschaft der Blinden - ebenfalls im Schwimmen - den Medaillendreiklang eingeheimst hatte. Mannschaft des Jahres wurden die Fußballfrauen des 1. FFC Frankfurt, die seit 1999 insgesamt sechs Deutsche Meistertitel errungen haben und in den Jahren 2002/2006 auch den UEFA-Cup. Der erstmals vergebene Preis des "Trainers des Jahres" ging an Wolfgang Hambüchen, den Vater von Reckweltmeister Fabian Hambüchen, der als Sportler des Jahres außer Frage stand. Nach angeblich "zähen Verhandlungen" hatte sich der neue Star des deutschen Individualsports am Ende zu einem etwas verfrühten Abbruch seines Kreuzfahrturlaubs auf der AIDA breitschlagen lassen. Tosender Applaus.
(Sportlerehrung, siehe auch Meldungen & Personalien)
Körperkunst mit Ball
Im Anschluss an die Preisverleihung hatten die Gäste der Olympischen Ballnacht noch viel Zeit, das bunte Unterhaltungsangebot zu genießen. Da präsentierte die Chinesin
Hong Chen eine so genannte Antipode, bei der sie - auf dem Rücken liegend - mit Vasen und Tischen jonglierte.
Absoluter Höhepunkt war jedoch der Auftirtt des Berliner Artisten
Mareé (siehe Foto oben), der hoch über den Tischgruppen im Festsaal einen ästhetisch-kunstvollen Kraftakt mit Ball vollführte. Aus den Vereinen der Hessischen Landeshauptstadt kam die Karate-Vorführung der
Budo Schule Wiesbaden wie auch die Latein-Formation des
TC Blau-Orange Wiesbaden.
Musik von New-Orleans bis Techno
Apropos Tanzen. Auch dazu hatten die Ballgäste reichlich Gelegenheit. Im Friedrich-von-Thiersch-Saal etwa mit der TuxedoDanceBand, zu deren Repertoire temperamentvolle Latinsounds genauso gehören wie tanzlastige deutsche Schlager. Wer ruhigere Töne bevorzugte, der konnte in der Jugendstillounge, in einem Seitenschiff des Wiesbadener Kurhauses, dem Mann am Klavier lauschen. Alexander von Wagenheim überzeugte u.a. mit berühmten Jazzstandards wie "Georgia on my mind", "As time goes by" oder "How high the moon".
Die Gruppe Esprit (oben) setzte mit "Gute-Laune"-Evergreens ebenso Akzente wie die Formation Viva Creole, die karibische Rhythmen mit traditionellem Oldtimejazz vereinbarte. Für elektronische Beats war der Mann in der Discothek an den Turntables zuständig. Viel Gelegenheit also, auf unterschiedlichste Art und Weise das Tanzbein zu schwingen.
Tolle Preise
Die Tombola zugunsten der Stiftung Sporthilfe Hessen sorgte bei den Ballgästen für zusätzliche Spannung. Und die Preise hatten es in sich. Vom Auto - ein Smart war das ganz große Los -, über den Flachbildfernseher, bis hin zu einer Reise zu den Olympischen Spielen nach Peking reichten die Hauptpreise. Hinzu kamen zahlreiche Kleinigkeiten. Die Olympische Ballnacht 2007, die LSB-Präsident Dr. Rolf Müller in seiner Begrüßungsrede verschmitzt als "moderne Brauchtumsveranstaltung" bezeichnet hatte, ist aus dem gesellschaftlichen Leben im Rhein-Main-Gebiet in der Tat nicht mehr wegzudenken.