Hessische Sportler des Jahres 2006
Hessische Sportler des Jahres 2007
Medaillengewinner von Peking geehrt
Wie auch in den vergangenen sieben Jahren wurden die Sportler des Jahres 2008 im Rahmen der Olympischen Ballnacht im Kurhaus in Wiesbaden ausgezeichnet. Gewählt von einer Jury hessischer Medienvertreter standen die Olympischen Spiele und Paralympics von Peking diesmal im Zentrum der Preisverleihung.
Der Titel bei den Männern ging in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2006 an den Odenwälder Tischtenniscrack Timo Boll (Borussia Dortmund). Gemeinsam mit der Mannschaft war der 27 Jahre alte Erbacher in Peking mit der Silbermedaille belohnt worden. Dabei hatten sich die Deutschen nur den als Gastgebern vom heimischen Publikum frenetisch unterstützten Chinesen geschlagen geben müssen. "Die Liste seiner Erfolge würde viele Blätter in Anspruch nehmen", sagte der als Laudator berufene Wiesbadener Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte, dass Timo Boll bei der Europameisterschaft im russischen St. Petersburg wenig später noch einmal zuschlagen würde.

gut geschnibbelt: Hessens Sportler des Jahres Timo Boll mit seinem Doppelpartner
Nach 2007, wo Boll bereits alle drei möglichen Titel im Einzel, Doppel und mit der Mannschaft gewonnen hatte, konnte er diesen grandiosen Erfolg wiederholen und damit seine kontinentale Dominanz eindrucksvoll unter Beweis stellen. Der nach wie vor im Frankfurt Leistungszentrum trainierende Spitzenspieler hatte die Preisverleihung im Wiesbadener Kurhaus selbst nicht miterleben können, sondern befand sich zu diesem Zeitpunkt beim Worldcup in Lüttich (Belgien). Timo Bolls Mutter, die für ihren Sohn die Ehrung entgegennahm, verlas vor der Ballgeselschaft eine Email des Weltranglistensiebten: "Ich hatte ein turbulentes Jahr mit vielen Rückschlägen. Aber es hat sich gelohnt", war seine Botschaft, die sich nach dem dreifachen Titelgewinn bei der Europameisterschaft erst recht bewahrheitet hat.

gut gepaddelt: Nicole Reinhardt (rechts) mit der Goldmedaille
Sie war Hessens herausragende Athletin bei den Olympischen Sommerspielen von Peking 2008. Die Kanutin Nicole Reinhardt (WSV Lampertheim), die mit dem Kajak-Vierer (K4) über 500 Meter gemeinsam mit Fanny Fischer, Kathrin Wagner-Augustin und Conny Waßmuth die Goldmedaille gewonnen hat. Der unangefochtene Start-Zielsieg auf dieser Strecke hat insofern Tradition, als es der vierte Triumph eines deutschen Frauenquartetts hintereinander war. Insofern war es wenig überraschend, dass die 22 Jahre alte mehrfache Europa- und Weltmeisterin der vergangenen Jahre zur Sportlerin des Jahres 2008 in Hessen gewählt wurde. Reinhardt, deren Mutter bereits eine erfolgreiche Kanutin gewesen war, konnte den Preis allerdings nicht selbst in Empfang nehmen. Die Fachangestellte für Bürokommunikation bei der Stadt Lampertheim, die nach ihrem Olympiasieg einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit zugesichert bekam, weilte am Abend der Olympischen Ballnacht gemeinsam mit zahlreichen anderen olympischen Medaillengewinnern auf dem Kreuzfahrtschiff Aida im Mittelmeer. Für sie war Schwester Julia Reinhardt zur Preisverleihung nach Wiesbaden gekommen.

gut gezielt: Christian Reitz wurde zum Newcomer gewählt
Es ist kaum ein halbes Jahr her, da war der Schnellfeuerpistolenschütze Christian Reitz (SV Kriftel) nur in Insiderkreisen bekannt. Der erst 21 Jahre alte Polizeistudent hatte mit Jahresbeginn von der Juniorenklasse zu den Männern gewechselt und dort die Weltelite durcheinandergebracht. Zuerst gewann der gebürtige Sachse den Weltcup in Rio de Janeiro, was ihm noch als Anfängerglück hätte ausgelegt werden können. Als er jedoch beim Weltcup in Mailand abermals siegte und bei dieser Gelegenheit einen neuen Weltrekord schoss, war klar, dass es sich bei dem jungen Mann um alles andere als eine Eintagsfliege handelte. Die Qualifikation für Peking hatte er zeitig in der Tasche und avancierte sogar zur Goldhoffnung. Am olympischen Schi eßstand wurde er dann nervös und vermasselte seinen Vorkampf. Nur mit Mühe im Finale angekommen, steigerte sich Christian Reitz jedoch in einer beeindruckenden Manier und gewann die Bronzemedaille. Es war die erste hessische Medaille bei den Spielen in Peking.

Manuela Schmermund & Ann-Kathrin Linsenhoff
Als Behindertensportlerin des Jahres wurde die querschnittsgelähmte Sportschützin Manuela Schmermund (SG Mengshausen) geehrt. Die 27 Jahre alte Verwaltungsfachwirtin hatte mit dem Luftgewehr über 40 Schuss stehend bei den Paralympics in Peking die Silbermedaille gewonnen. Nachdem sie vor vier Jahren in Athen in dieser Paralympiasiegerin geworden war, machte ihr als Titelverteidigerin diesmal die Favoritenrolle zu schaffen: "Das war schon schwierig für mich. Deshalb ist die Silbermedaille ein riesen Erfolg", sagte Schmermund, die es nach einem für ihre Verhältnisse verpatzten Vorkampf dank einer grandiosen Willensleistung doch noch in die Medaillenränge geschafft hatte. Nachdem ihr die Auszeichnung von der ehemaligen Dressurolympiasiegerin Ann-Kathrin Linsenhoff (Foto links) überreicht worden war, lobte Schmermund die perfekte Organisation in China und ließ anklingen, dass die Spiele für sie bei aller Aufregung auch eine große Freunde gewesen seien.

gut geschossen: Nia Künzer & Conny Pohlers (1.FFC Frankfurt)
Die Mannschaft des Jahres 2006 ist bereits zum dritten Mal das Frauenfußballteam des 1.FFC Frankfurt, das nach 2002, 2006 und 2007 in diesem Jahr schon zum vierten Mal den UEFA-Cup gewonnen hat. Mit Superlativen kann das erfolgreichste Vereinsteam der Welt aber in vielerlei Hinsicht aufwarten. So schafften die Spielerinnen vom Frankfurter Brentanobad in diesem Jahr zum wiederholten Mal aus das so genannte Triple aus Deutscher Meisterschaft, Pokal- und UEFA-Cup-Sieg. Hinzu kam bei sechs Spielerinnen auch noch eine olympische Bronzemedaille. Renate Lingor, die ihre sportliche Karriere nach Peking beendet hat, Sandra Smisek, die künftig nur noch auf Vereinsebene auflaufen wird, Kerstin Garefrekes, Conny Pohlers (Bild oben), Saskia Bartusiak und Spielführerin Birgit Prinz waren im Nationalteam mit dabei. Nia Künzer, die gemeinsam mit Conny Pohlers den Preis entgegennahm, hatte ihre Karriere im Sommer ebenfalls beendet. Dies gilt auch für die langjährige Nationaltorhüterin Silke Rottenberg. "Keine andere Mannschaft hat es bisher auf mehr deutsche Meisterschaften gebracht. Sieben Titel haben die Frankfurterinnen seit 1999 eingefahren", sagte Laudator Dr. Heinz Sundermann, der Geschäftsführer von Lotto Hessen. Da kam nicht nur bei Manager Siggi Dietrich (Foto) Freude auf.

gut gecoacht: Dr. Hans-Jürgen Tritschoks
Die zum zweiten Mal verliehene Auszeichnung als Trainer des Jahres ging folgerichtig an Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, der das Frauenfußballteam des 1.FFC Frankfurt bis zum Saisonende gecoacht hatte und sein Amt augrund der fortschreitenden Professionalisiung im Frauenfußball aufgegeben hatte. Der Arzt und Dozent an der Sporthochschule in Köln reagierte damit auf die für ihn nicht mehr tragbare berufliche Doppelbelastung. "Er kam, sah und siegte" lobte Dr. Heinz Sundermann, während Tritschoks das Kompliment an seine Spielerinnen weitergab: "Ich hatte ein tolles Team."
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