Olympischer Glanz aus dem Reich der Mitte
Ausverkaufte Ballnacht feiert hessische Sportler des Jahres
Es war ein Anblick, den wohl selbst die antiken Götter des Sports genossen hätten: Beim Betreten des Foyers im Wiesbadener Kurhaus hießen chinesische Stelzenläufer und zwei goldgelbe Glückslöwen die Rekordzahl von über 2000 Gästen bei der Olympischen Ballnacht des Landessportbundes Hessen e.V. willkommen. Unter dem Motto "Aus dem Reich der Mitte" wurde noch einmal Rückschau gehalten auf die begeisternden Tage während der Olympischen Spiele und Paralympics in Peking und das erfolgreiche Abschneiden der hessischen Athletinnen und Athleten.
Von Margit-Rosa Rehn
Nachdem Weltklassehochspringerin Ariane Friedrich (Eintracht Frankfurt) assistiert von Dressurolympiasiegerin Ann-Kathrin Linsenhoff die Ballflamme entzündet hatte, ließ sich die tags zuvor als Chefin der Stiftung Deutsche Sporthilfe zurückgetretene Kronbergerin von der versammelten hessischen Sportfamilie hochleben: "In diesem Moment tut so eine Unterstützung unglaublich gut", bedankte sich Linsenhoff für den Applaus und versprach ausdrücklich, dem Sport auch in Zukunft helfen zu wollen. Derweil füllte sich der prächtige Friedrich-von-Thiersch-Saal, wo Landessportbund-Präsident Dr. Rolf Müller das abendliche Ballgeschehen mit "Ni Hao", der chinesischen Begrüßungsfloskel, charmant einläutete.
Illustre Gästeliste
"Wir sind stolz auf die Entwicklung, die unsere Ballnacht genomen hat", sagte Müller und betonte, dass die Veranstaltung bei ihrer siebten Auflage erstmals auch ausverkauft sei. Die Gästeliste - ein "Who is who" der hessischen Wirtschaft und Politk - sei ein Zeichen für den erstklassigen Rang dieses gesellschaftlichen Ereignisses und für die Integrationskraft des Sports in Hessen. Neben Ministerpräsident Roland Koch waren auch Andrea Ypsilanti, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag, Landtagspräsident Norbert Hartmann sowie Volker Hoff als hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten zur Ballnacht gekommen. Darüber hinaus war Dr. Günther Merl, der scheidende Chef der Hessischen Landesbank (Helaba) und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Sporthilfe Hessen, der wohl namhafteste- und für den Sport bedeutendste Vertreter der hiesigen Wirtschaft.
Bundespräsident ehrt Fabian Hambüchen
Auch zahlreiche Athletinnen und Athleten aus dem Hessenteam hatten sich in Schale geworfen: Unter ihnen die Schwimmerin Meike Freitag (SG Frankfurt) genauso wie 400-Meterläufer Kamghe Gaba (LG Eintracht Frankfurt), der Paralympics-Radsportler Klaus Lungershausen (Mars-Rotweiß Frankfurt) und "last but not least" auch Turn-As und Reck-Bronzemedaillengewinner Fabian Hambüchen ( Wetzlar), der bereits vor Beginn der Olympischen Ballnacht im Rahmen eines kleinen Empfangs mit dem Silbernen Lorbeerblatt des Bundespräsidenten ausgezeichnet worden war. Und wie es bereits Tradition ist, wurden nach dem Hauptgang (diesmal Roastbeef mit Teriyaki-Sauce) die hessischen Sportler des Jahres gekürt.
Boll und Reinhardt sind Hessens Beste
Dass die Wahl der Jury zum Hessischen Sportler des Jahres nach 2006 zum zweiten Mal auf den Odenwälder Tischtennisprofi Timo Boll (Borussia Dortmund) fiel, war in Anbetracht der Mannschaftssilbermedaille von Peking, zu der er einen wesentlichen Beitrag geleistet hatte, ein klarer Fall. Während der Ausnahmekönner an der Platte schon wieder in Lüttich beim World-Cup im Einsatz war, verlas Mama Gudrun eine Grußbotschaft ihres Sohnes: "Es war ein turbulentes Jahr mit vielen Rückschlägen. Aber es hat sich gelohnt." Bei den Frauen ging der Titel erwartungsgemäß an die Kanutin Nicole Reinhardt (WSV Lampertheim), die mit dem Kanu-Vierer in Peking die Goldmedaille gewonnen hat und der von ihrem Arbeitgeber, der Stadt Lampertheim, ein Arbeitsplatz auf Lebenszeit zugesichert wurde.
Behindertensportlerin des Jahres ist die querschnittsgelähmte Schützin Manuela Schmermund (Mengshausen), die mit dem Luftgewehr stehend nach Gold in Athen 2004 diesmal die Silbermedaille holte. "Es war aufregend und perfekt organisiert. Wir haben viel gelernt und die Chinesen noch ein bisschen mehr", sagte Schmermund, die ihren Preis in einer geschmackvollen Suzi-Wong-Bluse in Empfang nahm. Mannschaft des Jahres wurden wie schon 2007 die Fußballfrauen des 1. FFC Frankfurt, die nicht zum ersten Mal das Triple aus Deutschem Meistertitel, Pokal- und UEFA-Pokalsieg geschafft haben. Für einen Teil des Teams, darunter Spielführerin Birgit Prinz und Stürmerin Conny Pohlers, die den Preis des Landes Hessen entgegennahm, kam eine olympische Bronzemedaille hinzu. Aus diesen grandiosen Erfolgen ergibt sich logisch, dass Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, der den Frankfurterinnen bis zum Saisonende vier Jahre lang als Coach zur Seite gestanden hatte, zum Trainer des Jahres gewählt wurde.
Schließlich darf sich der Schnellfeuerpistolenschütze Christian Reitz (SV Kriftel) über die Auszeichnung als Newcomer des Jahres freuen. Reitz, der erst mit Jahresbeginn von den Junioren zu den Männern gewechselt hatte, war dort regelrecht ein Durchmarsch beschieden. Er gewann die Weltcups in Rio de Janeiro und in Mailand, wo er sich in seiner Spezialdisziplin auch den Weltrekord holte. In Peking, wo er im Finale zwischenzeitlich auf Goldkurs lag, sahnte er die Bronzemedaille ab.
Ballzauber bis tief in die Nacht
Nachdem der Applaus für die Sportler des Jahres verklungen war, rückte das Rahmenprogramm der Olympischen Ballnacht in den Blickpunkt. Einem traditionellen chinesischen Drachentanz folgte die spektakuläre Vorstellung der Budoschule Wiesbaden, die ein Feuerwerk asiatischer Kampfkunst entzündete. Das preisgekrönte Trommel-Duo Marée Flying-Drums zog mit seiner kraftvollen und doch sphärisch wohlklingenden Percussion-Show die Menschen im Ballsaal in seinen Bann. Und derweil im Foyer und in den Nebenräumen auch zahlreiche Sportangebote wie etwa ein Formel-1- oder Golfabschlag-Simulator gerne ausprobiert wurden, forderten unterschiedliche musikalische Stilrichtungen zum Tanz auf. Im Ballsaal lud die Dirk Jecht-Band mit einem Mix aus anheimelndem Walzerschmäh, Soul und Seventies-Nummern a´ la "Love is in the air" zum Schwofen ein. Die kubanische Band A Buena Vista, die Jazz-Combo Ladyzoom und die Disco der FFH-Hit-Arena ergänzten das musikalische Angebot. Ganz nach dem Geschmack der Ballgäste waren auch wieder die Tombola-Preise: Ein Smart wartete auf den Hauptgewinner, weitere hochwertige Preise waren ein Badeurlaub auf Ibiza oder eine Städtereise nach Berlin. Doch auch wer das Pech hatte, die falsche Farbe gezogen zu haben, hatte mit dem Dabei sein bei der Olympischen Ballnacht des Landessportbundes Hessen doch einen Hauptgewinn: In Form eines gelungenen Abends.
|