Peking 2008
Olympische Spiele & Paralympics
An den olympischen Sommerspielen 2008 in Peking haben in 13 Sportarten insgesamt 29 hessische Athletinnen und Athleten teilgenommen - die meisten als Mitglieder des so genannten Hessenteams, das von der Stiftung Sporthilfe Hessen unterstützt wird. Einige weitere Olympioniken, wie etwa der Tischtennisspieler Timo Boll, die Freiwasserschwimmerin Angela Maurer oder der Tennisprofi Rainer Schüttler, zählten nicht zum eigentlichen Hessenteam, weil sie nicht für hessische Vereine starten und/oder Profis sind. Gleichwohl haben auch sie in Peking die rotweißen Landesfarben vertreten. Für die Paralympics der Handicapsportler hatten sich in sechs Sportarten 17 Sportlerinnen und Sportler qualifiziert.
Erfolgreicher als in Athen
Mit insgesamt fünf Medaillen und zahlreichen Top-Platzierungen haben die hessischen Olympioniken besser abgeschnitten als vor vier Jahren in Athen. Diese Steigerung ist auch das Ergebnis einer verstärkten Förderung durch die Stiftung Sporthilfe Hessen. Herausragend ist die Goldmedaille der Kanutin Nicole Reinhardt (WSV Lampertheim). Der Odenwälder Tischtennisprofi Timo Boll war beim Gewinn der Mannschaftssilbermedaille der ausschlaggebende Spieler. Aber auch die Bronzemedaillen von Christian Reitz (SV Kriftel) mit der Schnellfeuerpistole, Fabian Hambüchen (TSG Niedergirmes/Wetzlar) im Reckturnen und dem Fußballnationalteam der Frauen haben der Erfolgsgeschichte der hessischen Athletinnen und Athleten ein Kapitel hinzugefügt.
Eine Werbung für den Behindertensport
Auch bei den Paralympics, die vier Wochen später in Peking über die Bühne gingen, konnten sich die hessischen Leistungsträger in Szene setzen. Vier von ihnen sind mit Medaillen zurückgekehrt. Allen voran natürlich die Rollstuhl-Basketballerinnen Gesche Schünemann, Annika Zeyen (RSV Lahn-Dill) und Nora Schratz (RSC Frankfurt), die sich im Finale nur den überlegenen US-Amerikanerinnen geschlagen geben mussten. Die Sportschützin Manuela Schmermund (SG Mengshausen) wiederum hat mit dem Luftgewehr 40 Schuss stehend nicht nur die Silbermedaille gewonnen, sondern ist dabei auch über sich selber hinausgewachsen. Aber lesen Sie selbst, wie sich die hessischen Athletinnen und Athleten in den einzelnen Sportarten und Disziplinen geschlagen haben.
Die Stiftung Sporthilfe Hessen bedankt sich für die hervorragenden Leistungen der hessischen Spitzenathletinnen und Athleten in Peking und wünscht ihnen bei ihrer sportlichen und beruflichen Laufbahn weiterhin viel Erfolg!
Basketball
Die Qualifikation war der große Erfolg
Das deutsche Team, dem mit Pascal Roller und Konrad Wysocki (Frankfurt Skyliners) auch zwei hessische Spieler angehörten, hatte eine extrem schwere Gruppe erwischt, in der sich neben Vizeweltmeister Griechenland auch Weltmeister Spanien und Gastgeber China befanden. Nach einem lockeren Auftaktsieg (95:66) gegen Afrikameister Angola folgte gegen Griechenland eine 64:87 Niederlage; gegen Spanien verloren die Deutschen mit 59:72 Punkten. Im entscheidenden Spiel gegen China war das Team um Superstar und Fahnenträger Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks) mit 55:59 abermals unterlegen und verpasste das Viertelfinale, was den zehnten Platz im Gesamtklassement bedeutete.
Boxen
Pech für Culcay-Keth
Der Weltergewichtler Jack Culcay-Keth ist in seinem ersten olympischen Kampf gegen den Südkoreaner Kim Jung-Joo knapp ausgeschieden. Trotz beherztem Fight und einer überzeugenden Leistung entschieden sich die Kampfrichter gegen den 22 Jahre alten Darmstädter, der sich nach Punkten ein 11:11-Unentschieden erboxt hatte.
Fußball
Deutsche Frauen-Elf holt wieder Bronze
Nach Sydney 2000 und Athen 2004 haben Deutschlands Fußballfrauen zum dritten Mal hintereinander eine olympische Bronzemedaille gewonnen. Das mit insgesamt sechs Spielerinnen des Deutschen Meisters und UEFA-Cup Siegers 1. FFC Frankfurt bestückte Nationalteam von Bundestrainerin Silvia Neid gewann das Spiel um den dritten Platz gegen Japan mit 2:0 (0:0). Fatmire Bajramaj (FCR Duisburg) erzielte in der 69. und 87. Spielminute beide Treffer.
Frankfurter Gemeinschaftsproduktion
Dem Scheitern der Weltmeisterinnen im Halbfinale gegen Brasilien mit 1:4 (1:1) war zum Auftakt des olympischen Turniers ein 0:0-Unentschieden gegen die Vizeweltmeisterinnen vorausgegangen. Es folgte ein wenig berauschender 1:0 Sieg gegen Nigeria im zweiten Gruppenspiel und ein weiterer 1:0 Arbeitssieg gegen Nordkorea, der den Einzug ins Viertelfinale gegen Schweden sicherstellte. Die Skandinavierinnen konnten dem Druck der Deutschen dann bis in die Verlängerung standhalten, wo dank einer Frankfurter Gemeinschaftsproduktion von Renate Lingor und Kerstin Garefrekes in der 104. Spielminute durch Garefrekes der Führungstreffer fiel. Die Duisburgerin Simone Laudehr sorgte in der 115. Spielminute für das 2:0 Endergebnis.
Neuer Optimismus
Im Halbfinale gegen Brasilien war es Spielführerin Birgit Prinz (1.FFC Frankfurt), die gleich in der 10. Spielminute den Führungstreffer erzielte. Nachdem die Südamerikanerinnen jedoch kurz vor der Pause durch Formiga ausgleichen konnten, fanden die Deutschen in der zweiten Hälfte nicht mehr ins Spiel und mussten eine schmerzliche 1:4 Niederlage einstecken. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille ist jedoch der Optimismus ins Team zurückgekehrt. "Ich hoffe, dass wir 2012 auch mal Gold holen", sagte Fatmire Bajramaj, die mit ihren 20 Jahren zu den ganz jungen Spielerinnen im Nationalteam zählt.
Goalball (Paralympics)
Dabeisein ist alles
Als amtierende Weltmeister waren Deutschlands Goalballerinnen zu den Paralympics nach Peking gereist - unter ihnen mit Christiane Möller (SSG Blista Marburg) auch eine Hessin. Die daraus resultierenden Erwartungen in der Teamsportart für Sehbehinderte haben sich bei den Frauen jedoch nicht erfüllt. Sie wurden Achte und mussten sieglos die Heimreise antreten.
Handball
Weltmeister unterliegt Europameister
Mit einem 27:23 Sieg gegen Südkorea starteten die amtierenden Weltmeister ins olympische Turnier. Das Team von Heiner Brand, dem mit Sven-Sören Christophersen (HSG Wetzlar) und Oliver Köhrmann (TV Großwallstadt) zwei Hessen angehörten, musste anschließend gegen Island eine 29:33 Niederlage hinnehmen, um sich im dritten Spiel gegen Afrikameister Ägypten mit einem 25:23 Sieg die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale offen zu halten. Gegen Europameister Dänemark hätte ein Unentschieden genügt: Doch das deutsche Team war den Skandinaviern nicht gewachsen und verlor mit 21:27. Im Gesamtklassement war das Rang neun.
Kanusport
Reinhardt paddelt zu GOLD
Die einzige hessische Goldmedaille bei den olympischen Sommerspielen in Peking 2008 hat gar nicht so überraschend eine Kanutin gewonnen. Nicole Reinhardt (WSV Lampertheim) saß im Viererkajak der Frauen, der in überlegener Manier über die 500-Meter-Distanz einen Start-Ziel-Sieg hinlegte. In der Besetzung Nicole Reinhardt, Fanny Fischer, Katrin Wagner-Augustin und Conny Waßmuth konnte das deutsche Boot die am Ende noch aufkommenden Ungarinnen, die vor Australien Silber gewannen, klar in Schach halten. Der Olympiasieg des "K4" hat sich in Peking zum vierten Mal hintereinander wiederholt und hat insofern schon geradezu Tradition.
Auch Max Hoff gut in Form
Für die 22 Jahre alte Nicole Reinhardt, die bei der Stadt Lampertheim als Bürokauffrau angestellt ist, gab es im Zweier gemeinsam mit Fanny Fischer, der Nichte von Deutschlands erfolgreichster Olympionikin Birgit Fischer, eine weitere Medaillenchance. Reinhardt und Fischer, die beiden frischgebackenen Olympiasiegerinnen, landeten in diesem Endlauf jedoch auf Rang vier. Bei den Männern machte Max Hoff (Raunheim) eine gute Figur. Bei seinen ersten olympischen Spielen landete der 26 Jahre alte Biologiestudent im Einer-Kajak auf einem guten fünften Platz.
Leichtathletik
Till Helmke bester Hesse im Vogelnest
Der Wetterauer Sprinter Till Helmke (TSV Friedberg-Fauerbach) war in Peking Hessens erfolgreichster Leichtathlet. Mit der 4x100-Meter-Staffel belegte der 24 Jahre alte BWL-Student aus Friedberg/Hess. im Endlauf den fünften Platz. In der Besetzung Tobias Unger (Kornwestheim), Till Helmke, Alexander Kosenkow (Wattenscheid) und Martin Keller (Chemnitz) verfehlte das deutsche Team in 38,58 Sekunden nur um ein Zehntel seine Saisonbestzeit.
Ariane Friedrich wird Siebte
Die Frankfurter Weltranglistenzweite im Hochsprung wollte so gerne eine Medaille gewinnen. Doch ein verspannter Gesäßmuskel hinderte die angehende Kriminalkommissarin an einem Auftritt nach Maß. Mit übersprungenen 1,96 Metern erreichte Ariane Friedrich (Eintracht Frankfurt) im Finale den siebten Platz. "Die rechte Seite ist härter als Stein", sagte Friedrich, die sich das Handicap während der Qualifikation zugezogen hatte.
Hammerweferinnen chancenlos
Während Kathrin Klaas (LG Eintracht Frankfurt) mit 67,54 Metern im Hammerwurf-Vorkampf ausschied und den 24. Platz belegte, warf ihre Vereinskollegin und amtierende Weltmeisterin Betty Heidler 70,06 Meter, womit sie Neunte wurde und im Finale der Besten außen vor blieb. Auch der Frankfurter 400-Meter-Läufer Kamghe Gaba agierte in Peking ohne Fortune und musste als Mitglied der 4x400-Meter-Staffel in 3:03,49 Minuten bereits im Vorlauf die Segel streichen.
Moderner Fünfkampf
Steffen Gebhardt nur knapp an Medaille vorbei
Der Bensheimer Penthatlet hat sich in Peking als Fünfter in einer hervorragenden Verfassung präsentiert und die Bronzemedaille nur knapp verpasst. Der 27 Jahre alte Student war bei Schießen mit 183 von 200 Ringen zufriedenstellend in den Wettkampf gestartet. Auch beim anschließenden Fechten erzielte er ein positives Ergebnis. Das 200 Meter Freistilschwimmen beendete Steffen Gebhardt in 2:06,84 Minuten mit einer neuen persönlichen Bestzeit. Nach dem Springreiten lag der Teamweltmeister von 2007 auf einem aussischtsreichen siebten Platz, den er im abschließenden 3000-Meter-Geländelauf noch um zwei Positionen verbesserte. Die Darmstädterin Eva Trautmann erreichte mit Rang 29 eben jene Platzierung, die sie auch in der Weltrangliste einnimmt.
Radsport (Paralympics)
Weltklasse, aber keine Medaille
Es sollten seine Paralympics werden. Klaus Lungershausen (Mars-Rotweiß Frankfurt), der amtierende Zeitfahrweltmeister in der Handicapklasse der Zerebralparetiker (Motorische Bewegungsstörung), wollte nach zwei Silbermedaillen im Zeitfahren und Straßenrennen von Sydney 2000 seine Karriere vergolden. Doch der vor über zehn Jahren bei einem Bundesligaradrennen schwer gestürzte Cheimielaborant konnte seine hoch gesteckten Ziele in Peking nicht umsetzen. Im Zeitfahren wurde er Fünfter; auf der Straße belegte der Frankfurter Rang neun. Einen weiteren fünften Platz erzielte Lungershausen auf der Bahn: in der 3000m-Einerverfolgung. "Beim Zeitfahren auf der Straße habe ich zu viel gewollt und bin die einen Kilometer lange Steigung in einem zu dicken Gang hochgefahren. Das war zermürbend und hat unnötig Kraft und Geschwindigkeit gekostet", analysierte er nachträglich.
Rollstuhl-Basketball (Paralympics)
Mit der Silbermedaille die Erwartungen erfüllt
Deutschlands Rollstuhl-Basketballerinnen haben mit ihrer Ankündigung, in Peking eine Medaille holen zu wollen, nicht zu viel versprochen. Das Nationalteam der Frauen, in dem sich mit Nora Schratz (RSC Frankfurt), Gesche Schünemann und Annika Zeyen (beide RSC Lahn-Dill) auch drei Hessinnen befanden, hat vielmehr Wort gehalten und ein sensationelles paralympisches Turnier gespielt. Zwar ging das Finale gegen die USA nach anfänglicher Führung mit 38:50 Punkten am Ende doch noch ganz klar verloren.
Zu den USA Anschluss gefunden
Die Deutschen haben jedoch mehr denn je gezeigt, dass sie zu den bislang stets haushoch überlegenen Amerikannerinnen langsam aufschließen können. Zwar ging den amtierenden Europameisterinnen schon das Vorrundenspiel gegen die USA mit 38:42 Punkten verloren. Die Niederlagen werden jedoch immer knapper. Und das Überstehen der Vorrunde war für die Spielerinnen von Bundestrainer Holger Glinicki ohnehin kein Problem. Auf dem Weg ins Endspiel besiegten sie im Viertelfinale zunächst die Niederlande mit einem deutlichen 43:28-Sieg. Das Halbinale gegen Japan gestaltete sich ebenso überlegen. Beim 60:40-Sieg der späteren Silbermedaillengewinnerinnen über die Asiatinnen zählte Annika Zeyen (RSV Lahn-Dill) mit neun Zählern zu den erfolgreichen Punktelieferantinnen.
Männer erreichen Viertelfinale
Für die Männer, die sich das Erreichen des Halbfinales zum Ziel gesetzt hatten, war indessen im Viertelfinale vorzeitig Endstation. Gegen Großbrittannien verlor das mit zahlreichen Hessen gespickte Team mit 64:71 Punkten, wobei der erfahrende Dirk Köhler-Lenz und Jungstar Andre Bieneck (beide RSC Frankfurt) mit 18 und 13 Punkten die erfolgreichsten deutschen Punktesammler waren. Einen weiteren Erfolg verbuchte das Team dann im abschließenden Spiel um Platz fünf, wo ein 63:54-Sieg gegen Israel heraussprang. Im Turnierverlauf hatten die deutschen Männer zuvor auch gegen Iran, Südafrika und Schweden gewonnen.
Rollstuhl-Rugby (Paralympics)
Siegreich gegen Japan
Die deutsche Mannschaft, die mit Mike Baumann, Oliver Picht und Christoph Werner (alle RSC Bad Wildungen) auch drei Hessen im Aufgebot hatte, erreichte in Peking Rang sechs. Ein knapper Sieg gegen Japan (39:38) geht dabei auf das Konto der Vizeeuropameister von 2007.
Rudern
Erfolgreich im B-Finale
Seine beste Leistung auf der olympischen Regattastrecke im Shunyi Park erzielte Einerrunderer Marcel Hacker (RG Germania Frankfurt) im Viertelfinale, wo der 31 Jahre alte Bronzemedaillengewinner von Sydney 2000 ein bravoröses Rennen hinlegte. Anfangs verhalten agierend, übernahm er etwa bei der Hälfte der 2000 Meter-Distanz die Führung und beherrschte die Konkurrenz fortan klar. Umso enttäuschender seine Vorstellung im Halbfinale, wo er als Vierter das Finale verpasste. Marcel Hacker will diese Niederlage nicht auf sich sitzen lassen, sondern - wenn möglich - in vier Jahren in London noch einmal angreifen. Das B-Finale konnte Hacker gewinnen und wurde im Gesamtklassement Siebter.
Famose Kampfleistung
Auch für den Leichtgewichts-Doppelzweier mit Manuel Brehmer (Spandau) und Jonathan Koch (Gießen) kam im Halbfinale das olympische Aus. Zwar hatte sich das Duo im Laufe der Spiele gesteigert und auch im Halbfinale eine "famose Kampfleistung" gezeigt: Zum A-Finale reichte es mit dem vierten Platz dennoch nicht. Im B-Finale wurden sie Dritte und damit Neunte des Gesamtklassements.
Schießen
Christian Reitz gewinnt Bronze
Der Shootingstar der internationalen Schützenszene ist seiner olympischen Favoritenrolle gerecht geworden und hat mit der Schnellfeuerpistole die Bronzemedaille gewonnen. Christian Reitz (Kriftel), der in seinem ersten Jahr in der Männerklasse bereits die Weltcups in Rio de Janeiro und Mailand gewonnen-, und darüber hinaus in Italien Weltrekord geschossen hat, tat sich im Vorkampf in Peking jedoch überraschend schwer. Der gebürtige Sachse wirkte unkonzentriert und holte sich immer wieder Rat bei Bundestrainer Peter Kraneis. Wie auch der dreifache Olympiasieger Ralf Schumann (Suhl) schoss Reitz zunächst deutlich unter seinem Level - beide späteren Medaillengewinner zitterten sich ins Finale.
Glückwünsche von Roland Koch
Die Entscheidung um die Medaillen fiel dann äußerst knapp aus. Hinter dem ukrainischen Olympiasieger Oleksandr Petriv, der 780,2 Ringe schoss, erreichte Silbermedaillengewinner Ralf Schumann 779,5-, und Christian Reitz 779,3 Ringe. Reitz, der im Finale zwischenzeitlich sogar auf Goldkurs war, landete wegen seiner verpatzten letzten Serie "nur" auf Rang drei. Seine Bronzemedaille ist derweil das erste olympische Edelmetall für einen Athleten aus Kriftel überhaupt. Außerdem war es die erste hessische Medaille in Peking. Zwei gute Gründe für Ministerpräsident Roland Koch, dem Ausnahmetalent die herzlichsten Glückwünsche zu überbringen.
Schießen (Paralympics)
Schmermund versilbert ihre Ambitionen
Manuela Schmermund (SG Mengshausen) hat mit dem Luftgewehr (40 Schuss stehend) die Silbermedaille gewonnen und damit für Deutschlands allererstes Edelmetall bei den Paralympics 2008 in Peking gesorgt. Als Titelverteidigerin war die 36 Jahre alte Verwaltungsfachwirtin an den Start gegangen - ein Umstand, der, wie sie später sagte, für einen enormen inneren Druck gesorgt habe.
Mit Routine aufs Treppchen
Nach einer suboptimalen Qualifikation, bei der sich Schmermund als Vierte jedoch alle Chancen offen ließ, konnte sie sich im Finale noch einmal entscheidend steigern. Über eine Distanz von zehn Metern verbesserte sich die routinierte Athletin hinter Veronika Vadovicova (Slowakei) auf den Silberrang. Im weiteren Verlauf der Paralympics ging die querschnittsgelähmte Nordhessin noch zwei weitere Male an den Start: Mit dem KK-Sportgewehr 3x20 Schuss wurde sie Sechste; in der gemischt geschlechtlichen Disziplin 60 Schuss KK-Gewehr liegend erreichte sie den 19. Platz.
Schwimmen
Freitag und Maurer mit starker Leistung
Neben Doppelolympiasiegerin Britta Steffen (Berlin) zählte Meike Freitag (SG Frankfurt) zu den wenigen Deutschen, die im Pekinger Watercube überzeugen konnten. Bereits im Vorlauf der 4x100-Meter-Freistilstaffel schwamm die 29 Jahre alte Sportwissenschaftlerin in 54,53 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit. Mit fliegendem Start war sie im Finale in 54,30 Sekunden noch einmal schneller und konnte die von Startschwimmerin Britta Steffen heraus gearbeitete Führung einstweilen verteidigen. Daniela Götz und Antje Buschschulte büßten die Spitzenposition jedoch ein - in 3:36,85 Minuten erzielte das deutsche Quartett am Ende Rang Fünf. Rückenschwimmer Helge Meeuw (SG Frankfurt) kam in Peking hingegen nicht in Fahrt. Nachdem er über 100 Meter Rücken im Vorlauf ausgeschieden war (19. Platz), verpasste er das Finale über die 200 Meter in einem Ausscheidungsrennen gegen den Russen Arkadi Wjatschanin ebenfalls und wurde Neunter.
Nur einen Meter an einer Medaille vorbei
Im olympischen Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer wurde Angela Maurer (SG ERW Rheinhessen-Mainz) nach zunächst schwachem Start im Rennverlauf immer stärker und belegte schließlich Rang vier. Um nur 1,25 Meter verpasste die 33 Jahre alte Wiesbadenerin damit eine Medaille. Die mehrfache Deutsche Meisterin und Europameisterin, die über das knapp verfehlte Edelmetall bitter enttäuscht war, wird ihre Karriere auf jeden Fall bis zur Weltmeisterschaft 2009 in Rom fortsetzen.
Schwimmen (Paralympics)
Zwei Mal Top-Ten
Mit Robert Dörries (Marburg) und Daniel Simon (Darmstadt) waren in Peking zwei sehbehinderte hessische Athleten am Start, die zwar ihre Medaillenträume nicht umsetzen konnten, die jedoch beide in je ein Finale vorstoßen konnten. Abiturient Robert Dörries (SV Wehrda), der auf den langen Freistil-Distanzen seine Stärke hat, wo er über die 800m Weltmeister und Weltrekordler ist, schwamm sein bestes paralympisches Ergebnis als Vierter über 400m-Freistil heraus. Daniel Simon (VSG/DSW Darmstadt) belegte über 100m-Freistil Rang sieben.
Tennis
Schüttler in Peking glücklos
Die Olympianominierung kam für den Wimbledon-Halbfinalisten 2008 quasi in letzter Minute. Doch der Silbermedaillengewinner von Peking 2004 im Doppel konnte diesmal nicht reüssieren. Nachdem Rainer Schüttler im Einzel in der zweiten Runde gegen den favorisierten Serben Novak Djokovic ausgeschieden war, unterlag der Korbacher gemeinsam mit Nicolas Kiefer im Doppel gleich in der ersten Runde gegen die Österreicher Julian Knowle/Jürgen Melzer.
Tischtennis
Silber für Timo Boll und die Mannschaft

Der bei den Olympischen Spielen neu eingeführte Teamwettbewerb war für die deutsche Mannschaft sozusagen "Gold" wert - auch, wenn gegen drückend überlegene Chinesen am Ende die Silbermedaille heraussprang. Mit dem Ziel, Edelmetall zu gewinnen, waren der Odenwälder Timo Boll und seine Teamkollegen schon ins Turnier gestartet. Und als Europameister von 2007 zählten sie auch von vorne herein zum Favoritenkreis.
Das Beste herausgeholt
Dies natürlich ungeachtet der weltweit dominierenden Chinesen, die im Finale erwartungsgemäß nicht zu bezwingen waren. Gleich im Auftaktmatch verlor der erst 19 Jahre alte Dimitrij Ovtcharov gegen den Weltranglistenersten Wang Hao klar in drei Sätzen. Timo Boll hingegen konnte in der darauf folgenden Begegnung mit dem Weltranglistenzweiten Ma Lin wenigstens einen Satz für sich entscheiden - eine wirkliche Siegchance hatte der ehemalige Weltranglistenerste jedoch nicht. Im abschließenden Doppel erarbeiteten sich Christian Süß/Timo Boll gegen Wang Liqin/Wang Hao ebenfalls einen Satz. Aufgrund der chinesischen Überlegenheit hat Deutschland nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen.
Halbfinalsieg gegen Japan
Der Begegnung mit den Gastgebern war das äußerst spannende Halbfinale gegen Japan vorausgegangen. Die deutsche Mannschaft benötigte fünf Matches, bis sich alle endlich freudestrahlend in die Arme fallen konnten. Sogar der ansonsten eher rationale Timo Boll vergoss nach diesem Erfolg Tränen der Freude. Der 27 Jahre alte Erbacher, der für Düsseldorf startet, war im Halbfinale der entscheidende Spieler. Im fünften und letzten Match konnte er den japanischen Jungstar Deiya Kishikawa ausschalten und damit die Silbermedaille perfekt machen. Im Einzel ist Timo im Achtelfinale ausgeschieden.
Turnen
Bronzemedaille als Trostpflaster für Hambüchen
Am Reck hat Fabian Hambüchen die Bronzemedaille gewonnen. Das ist ein großer Erfolg, obwohl er die Goldmdaille anvisiert hatte. Es gab eine kleine Handverletzung und den Anspruch unschlagbar genial sein zu wollen. Dieser selbst auferlegte Druck hat womöglich innere Blockaden ausgelöst und zwei Stürze vom Reck mitverursacht.
Schon im Mannschaftsfinale, das die Deutschen mit einem hervorragenden vierten Platz beendeten, deutete sich an, dass dem 20 Jahre alten Reckweltmeister von Stuttgart 2007 die Lockerheit fehlte. Die bereits zum Greifen nahe Bronzemedaille ging noch verloren, als der Wetzlarer ausgerechnet an seinem Paradegerät die Stange verfehlte und absteigen musste. Zwar hatte er sich beim Mannschaftsfinale eine Kapselverletzung an der linken Hand zugezogen. Doch seiner Ansicht nach war diese Einschränkung nicht der Grund für diesen und weitere Patzer.
Höhen und Tiefen
Im Mehrkampffinale, wo der deutsche und hessische Sportler des Jahres wiederum am Reck den Halt verlor, hatte er am Boden zunächst eine fehlerfreie Übung geturnt und einstweilen den fünften Rang eingenommen. Das Pauschenpferd - ohnehin nicht sein Ding - turnte er ohne Esprit und dennoch nicht fehlerfrei. An den Ringen war Hambüchen gut, aber viele andere besser. Dann der Sprung. Da war die Landung nicht perfekt und auch die anspruchsvolle Barrenübung blieb nicht fehlerfrei. Dennoch warte der nur 1,64 Meter große Turner die Chance auf eine Medaille. Das Reck sollte es richten. Doch diesmal verlor er beim Kolman-Salto den Faden, fiel abermals vom Gerät. Olympiasieger wurde der Chinese Yang Wei, Fabian Hambüchen wurde Sechster.
Neue Goldchance in London
Es folgten die Einzelfinals, wo sich Hambüchen nach zwei vierten Plätzen an Boden und Barren seine Goldmedaille am Reck abholen wollte. Diesmal musste er zwar nicht vom Gerät - doch der Turner mit der weltweit schwierigsten Übung war einmal mehr weit entfernt von seiner Bestform. Krampfig sah seine Vorstellung aus, und er konnte sich noch beim Italiener Igor Cassina bedanken, der so viele Fehler produzierte, dass Hambüchen wenigstens noch die Bronzemedaille gewann. Es war ein Trostpflster und am Ende vielleicht auch das nötige Quentchen Motivation, das ein junger Athlet wie er dringend braucht, um weiterzumachen. Er wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch in vier Jahren in London dabeisein und hat dann erneut die Chance, sich seinen Goldtraum zu erfüllen.
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