Hessische Erfolgsgeschichten: Bei Noemi Ristau ist Skifahren eine Vertrauenssache

Hessische Erfolgsgeschichten: Bei Noemi Ristau ist Skifahren eine Vertrauenssache

Hessische Erfolgsgeschichten: Bei Noemi Ristau ist Skifahren eine Vertrauenssache

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes

Es ist nur logisch, dass Hochleistungssportler, die mit einem Handicap umgehen müssen, genauso anerkannt werden wollen, wie diejenigen ohne Behinderung. Bei den Athleten besteht deshalb nicht selten der Wunsch, das Thema möge in den Medien doch am besten elegant umspielt anstatt in den Vordergrund gerückt zu werden. Und dann kommt Noemi Ristau (Blau-Gelb Marburg/SSG Blista) und macht sich nichts draus. Die für die Paralympics in Pyeongchang (09.-18.03.2018) qualifizierte Skirennläuferin postet im Netz über den Alltag von Blinden oder zeigt landschaftlich berückende Schneevideos, auf denen sie hinter ihrem Guide Lucien Gerkau die Spur sucht. Solche Szenen mischen sich mit rein sportlichen Informationen, und das sind ganz schön viele – das ganze Jahr über. „Wir möchten die Leute an allem teilhaben lassen“, sagt die 26-jährige Slalomspezialistin. Auch dank ihrer rührigen Öffentlichkeitsarbeit hat sie einige Kleinsponsoren gefunden, die sie auf dem Weg zu den Spielen zusätzlich unterstützen. Ristau, die bislang gleichwohl „Unmengen“ von ihrem Erbe eingesetzt hat, um dahin zu kommen, wo sie jetzt steht, stellt den Kostenfaktor besonders heraus. Dass sie in Deutschland die einzige sehbehinderte Alpinskiläuferin auf diesem Niveau ist, hänge eindeutig mit dem finanziellen Aufwand zusammen, den auch die Stiftung Sporthilfe Hessen abfedern hilft. Generell fällt ihr aus dem Para-Bereich sonst nur noch die Monoskibobfahrerin Anna Schaffelhuber ein, die dank ihrer großen Erfolge ebenfalls etwas mehr monetären Rückhalt genieße.

Doch wie schafft es Noemi Ristau mit ihren zwei Prozent verbliebener Sehfähigkeit eigentlich, in den sozialen Medien präsenter zu sein als viele andere Spitzensportler? Es mag überraschen, doch die Ergotherapeutin macht dabei fast alles selbst: „Ich brauche aber eine sehr starke Vergrößerung. Stellen sie mal Schriftgröße 40 ein, da bekommt man eine Vorstellung.“ Zusätzlich gehe sie noch ganz nahe an den Bildschirm heran.

Die Spiele als gemeinsamer Traum

Auf der Piste ist sie auf deutlich mehr Hilfe angewiesen. Da fährt ihr Lucien Gerkau mit einer grellen Leuchtbekleidung voraus; zusätzlich ist der Guide mit Ristau per Headset verbunden. Seit Monaten verbringen die beiden sehr viel Zeit miteinander, obwohl sie kein Paar sind und Gerkau kürzlich erst Vater geworden ist. Doch die Spiele seien auch sein Ziel. Ristau: „Er ist früher selbst FIS-Rennen gefahren und lebt meinen Traum deshalb mit.“ Und der soll nach Möglichkeit auf dem paralympischen „Stockerl“ in Erfüllung gehen. Im Slalom oder Riesenslalom bestehen dafür die besten Aussichten, doch seit sich Ristau auch an die Speed-Disziplinen herantraut, wo sie annähernd 100 km/h schnell ist, setzt sie für Pyeongchang auf das volle Programm.