Hessische Erfolgsgeschichten: Der Bobfahrer Issam Ammour vergoldet seine Juniorenzeit

Hessische Erfolgsgeschichten: Der Bobfahrer Issam Ammour vergoldet seine Juniorenzeit

Hessische Erfolgsgeschichten: Der Bobfahrer Issam Ammour vergoldet seine Juniorenzeit

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes.

Wer in einen Bob einsteigt, um mit über 100 Sachen einen Eiskanal hinunterzurasen, muss sich auf Mensch und Material verlassen können. „Eingezwängt in so eine kleine Wanne ist Vertrauen super wichtig“, sagt Issam Ammour (TuS Eintracht Wiesbaden), der bei der Junioren-WM am Königssee im Zweier- und Viererbob den Titel gewann. Den größten Erfolg in seiner bisherigen Karriere hat er mit seinem Freund und Vereinskollegen Costa Laurenz geteilt, der ebenfalls im Gold-Vierer von Pilot Richard Oelsner (BSC Sachsen Oberbärenburg) dabei war. Die beiden Hessen haben sich damit den Traum erfüllt, gemeinsam eine WM-Medaille zu gewinnen. Für Ammour, der kurz vor dem BWL-Examen steht, ist der Team-Gedanke also ein sehr wichtiger Motivationsfaktor, aber längst nicht der einzige. Der ehemalige Sprinter mit algerischen Wurzeln mag es, wenn im Adrenalinrausch der kalte Wind um die Ohren pfeift. So „peppig“ habe er die Leichtathletik niemals empfunden: „Beim Bobfahren habe ich alles, was mir wirklich Spaß macht.“

Vertrauen in die eigene Kraft

Mit seinen 25 Jahren hat Issam Ammour, der auch American Football gespielt hat, also eine vielfältige sportliche Historie; selbst als Turner hat er sich schon versucht. Da geht es ihm wie seinen Kolleginnen und Kollegen – fast alle haben wenigstens eine andere Sportart ambitioniert ausgeübt. Daraus erklärt sich, weshalb die Juniorenzeit im Bobfahren bis Mitte 20 andauert. Ammour: „Die Leute fangen viel später an, meistens erst, wenn sie volljährig sind.“ Er selbst wurde von seinem heutigen Heimtrainer Tim Restle angesprochen, der am Bob- und Athletikstützpunkt in Wiesbaden wirkt. Beinahe täglich pendelt er deshalb von Gießen in die Hessische Landeshauptstadt. Ob Sprint oder Krafttraining, es gibt immer etwas zu tun. Für die Unterstützung durch die Stiftung Sporthilfe Hessen ist das 105 kg schwere Kraftpaket dankbar, zumal im Winter auch die Fahrten zu den Bobbahnen finanziert werden müssen. An einen Umzug, etwa nach Winterberg oder an den Königssee, denkt Ammour aber nicht, obwohl er weiß, wie wichtig es ist, nahe an der Szene zu sein. Er fühlt sich in Hessen beheimatet. Um künftig wieder im Weltcup mitfahren zu können, was mit dem Piloten Christoph Hafer (BC Bad Feilnbach) zu Saisonbeginn im Zweierbob erstmals der Fall war, muss er sich ein Netzwerk aufbauen und diese Kontakte andauernd pflegen. In der Nähe von einem Bundesstützpunkt zu leben, sei so gesehen zweifellos vorteilhaft.
Doch der mit einer Körpergröße von 1,71 cm sehr kleine Anschieber vertraut der Kraft seiner Physis: „Ich schiebe deutsche Spitze. Bei den Leistungstests kommen nur wenige an mir vorbei“, betont Ammour, der hofft, im kommenden Winter wieder von einem Weltcup-Piloten angesprochen zu werden. Zum Ende seiner Juniorenzeit bleibt ihm auch gar nichts anderes übrig, als sich den ganz „Großen“ anzubieten. Mit dem Fernziel Oympia möchte er sich nach dem Studium auch voll auf den Sport konzentrieren. Neben der Idee, bei der Bundeswehr einzusteigen, begibt sich Issam Ammour deshalb auf die Suche nach einem persönlichen Sponsor. Mit zwei WM-Titeln hofft er dabei erfolgreich zu sein: „Auf der Mütze, auf der Wade und auf der Jacke, überall ist Platz für ein Logo.“