Hessische Erfolgsgeschichten: Der schnelle Aufstieg des Kevin Kranz

Hessische Erfolgsgeschichten: Der schnelle Aufstieg des Kevin Kranz

Hessische Erfolgsgeschichten: Der schnelle Aufstieg des Kevin Kranz

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ porträtiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes.

Für Kevin Kranz war die Hallen-EM in Glasgow ein motivierendes Ärgernis. Angereist mit einer Bestzeit von 6,56 sek. im Sprint über 60m war der derzeit schnellste Deutsche theoretisch durchaus ein Mann, den die Konkurrenz auf der Rechnung haben musste. Doch Kranz verpatzte im Finale den Start, kam zu flach aus den Blöcken und wurde Achter. Dieses Ergebnis empfand er deshalb als so betrüblich, weil Ján Volko (Slowakei) in 6,60 Sek. zu EM-Gold lief. „Wäre der Titel mit einer 6,52 weggegangen, wäre es mir egal gewesen. Aber so billig, das ist schon sehr ärgerlich“, sagt der Deutsche Hallenmeister, der auch im Freien, über die 100m, amtierender nationaler Titelträger ist.

Ganz schön selbstbewusst hört sich das an, zumal der jetzt 20-jährige Polizeikommissaranwärter bis zum Vorjahr noch völlig unbekannt war. Und ja, zweifellos ist Kevin Kranz ein seltenes Naturtalent. Schon sein Fußballtrainer bei der SG Praunheim in Frankfurt hatte 2013 die Veranlagung erkannt und ihn zur Leichtathletik geschickt. Der Schüler besuchte daraufhin ein Probetraining bei der LG Eintracht Frankfurt. „Das war schon ganz cool, aber Fußball war mir doch lieber.“ Und so kickte der Junge damals halbherzig weiter. Nachdem jedoch mehrere seiner Mitspieler den Verein verlassen hatten, löste sich die Mannschaft auf. Kranz musste das Team wechseln, wobei er an eine chronisch erfolglose Truppe geriet: „Wir haben einfach immer verloren.“ Der Frust wuchs deshalb stetig an und gab schließlich die Initialzündung, es mit der Leichtathletik doch noch einmal zu versuchen. Ein weiteres Probetraining folgte, und da war Kranz auf Anhieb der schnellste von allen.

Erfolgsrezept Trainerwechsel

Ganz glatt verlief sein kurzer Weg an die deutsche Spitze dann aber doch nicht. „Ich war schnell, aber kein krasser Überflieger. Bei meinen ersten Wettkämpfen bin ich schon auch im Vorlauf mal ausgeschieden.“ Wadenprobleme seien hinzugekommen. Fast ein Jahr lang habe er mit Schmerzen trainiert, was so demoralisierend gewesen sei, dass er beinahe schon wieder aufhören wollte. Doch dann kam David Corell. Beim HLV-Landestrainer für Kurzsprint kam Kranz in den Genuss eines spezifischen Sprinttrainings, wie er es bis dahin nicht kannte. Und er wechselte 2017 auch den Verein, ging zum Sprintteam Wetzlar, wo Corell zusätzlich als Vereinstrainer fungiert. Von da an ging es steil bergauf. Die Wadenprobleme sind inzwischen verschwunden, und Kranz denkt daran, dass er in Zukunft noch viel viel schneller werden will. Unter zehn Sekunden will er eines Tages gerne laufen. Einstweilen steht jedoch erst einmal die Staffel-WM im Mai in Japan auf dem Programm, seinen Titel bei der DM will er verteidigen, bei der U-23 EM in Schweden sein Bestes geben und an der WM in Doha möchte er ebenfalls teilnehmen. Die Einzelnorm für den Saisonhöhepunkt steht bei strammen 10,10 Sek. Kranz: „Das wird für mich noch mal ein Sprung, diese Zeit zu erreichen.“
Foto: Raphael Schmitt/SCHMITT-SPORTFOTO.COM“