Hessische Erfolgsgeschichten: Jaqueline Orth schießt 2 x WM-Gold

Hessische Erfolgsgeschichten: Jaqueline Orth schießt 2 x WM-Gold

Hessische Erfolgsgeschichten: Jaqueline Orth schießt 2 x WM-Gold

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes.

Es sind seit Jahren immer dieselben Namen aus dem hessischen Schießsport, die auf internationaler Ebene für Furore sorgen: Vor allem handelt es sich um Olympiasieger Christian Reitz, Oliver Geis und Aaron Sauter (alle SV Kriftel), doch mit Jaqueline Orth (SGi Mengshausen) gesellt sich nun eine Frau mit hinzu. Die 25 Jahre alte Verwaltungsangestellte aus Niederaula hat bei der WM in Changwon die Team-Goldmedaillen mit dem Kleinkalibergewehr (KK) liegend und im KK-Dreistellungskampf gewonnen. Hinzu kam ein vierter Platz im Einzel KK liegend. „Da bin ich ganz knapp an der Medaille vorbeigeschrammt“, sagte Orth in der Dienstvilla des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier in Wiesbaden, wo Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen gerade zum Botschafter der Stiftung Sporthilfe Hessen ernannt worden war. Zahlreiche weitere Athletinnen und Athleten des aktuellen Hessenteams, in das Jaqueline Orth nun auch aufgenommen wird, waren ebenfalls vor Ort, wobei die frischgebackene Doppelweltmeisterin eine auffallende Erscheinung ist, die sich von der Menge abhebt. Das hat mit ihrer physischen Präsenz etwas zu tun, aber auch mit den rotblonden Haaren und dem ungezwungenen Lächeln, das ein wenig an Pipi Langstrumpf erinnert.

Vom Kleinkaliber zum Luftgewehr

Orth, die 2020 an den Spielen in Tokio teilnehmen möchte, gehört zu den finanziell unabhängigen hessischen Spitzenathletinnen. Nach dem Ende ihres Studiums wurde für sie auf Vorschlag des OSP Hessen eine Stelle als Inspektorin im gehobenen Verwaltungsdienst beim Regierungspräsidium in Gießen geschaffen. Es handelt sich um einen Fulltime-Job, der gleichwohl auch genügend Raum für Training und Wettkampfreisen gewährt. Und diese Zeit braucht sie auch, denn der sportliche Terminplan wird auch 2019 randvoll sein: Im März möchte sie in Osiek (Kroatien) erstmals an der Luftdruck-EM teilnehmen. Bisher schießt die Nordhessin vorwiegend mit dem Kleinkaliber, doch soll sich der Fokus in Zukunft verstärkt auf das Luftgewehr richten, weil mit diesem Sportgerät mehr olympische Disziplinen angeboten werden. Darüber hinaus warten die Europaspiele in Minsk im Juni und die Kleinkaliber-EM im September in Bologna. Die nun beginnende Phase ohne internationale Wettkämpfe wird indessen mit der Bundesliga gefüllt, wobei ihr Verein, die SGi Mengshausen, von Manuela Schmermund geführt wird, die bei den Paralympics 2004 in Athen die Goldmedaille mit dem Luftgewehr stehend gewonnen hat. Ebenfalls aus der Region Hersfeld-Rotenburg stammt mit Natascha Hiltrop (SV Lengers 1964) eine weitere Paraschützin; ihr bislang größter Erfolg war 2016 in Rio die Silbermedaille mit dem Luftgewehr liegend. Alle genannten Athletinnen und Athleten inklusive Jaqueline Orth werden durch die Stiftung Sporthilfe Hessen gefördert.

Orth, die bei den zahlreichen bevorstehenden Meisterschaften vermutlich wieder „schöne Abende“ mit ihren Kolleginnen aus dem KK-Nationalteam verbringen wird, nutzt ihre spärliche Freizeit ansonsten gerne zum Lesen: Momentan ist das ein Taunuskrimi von Nele Neuhaus.