Hessische Erfolgsgeschichten: Rollstuhlcurling war auch ein paralympischer Hype | Stiftung Sporthilfe Hessen

Hessische Erfolgsgeschichten: Rollstuhlcurling war auch ein paralympischer Hype

Hessische Erfolgsgeschichten: Rollstuhlcurling war auch ein paralympischer Hype

Hessische Erfolgsgeschichten: Rollstuhlcurling war auch ein paralympischer Hype

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes

Der Einzug der deutschen Rollstuhlcurler ins paralympische Halbfinale von Pyeongchang war ein Traum, der während des Turniers für eine kurze Weile mit Leben gefüllt wurde. Denn nach Siegen gegen die Neutralen Athleten aus Russland sowie gegen die USA oder auch Gastgeber Südkorea sah es ganz danach aus, als könnte das fünfköpfige Team, dem mit Heike Melchior und Martin Schlitt (Eintracht Frankfurt) auch zwei Mitglieder des Hessenteams 2018 angehörten, über die eigenen Erwartungen hinauswachsen. Schlitt hatte die Erfolgsaussichten im Vorfeld der Spiele nämlich eher gedämpft eingeschätzt: „Das wird eine harte Nuss. Mit einem Platz im Mittelfeld wären wir zufrieden“, sagte der 51-jährige frühere Werbefotograf, der nach einem Motorradunfall seit 2001 auf den Rollstuhl angewiesen ist. Doch die Anfangserfolge in Pyeongchang nebst einer begeisterten Anhängerschaft, die ihren angestammten kleinen Rahmen in den sozialen Netzwerken bald gesprengt hatte, ließ das Team Morgenluft wittern. Beifallsbekundungen von „bärenstark“ bis „Wintermärchen“ haben dieses Wunschdenken noch extra befeuert. Dass nach der Gruppenphase Platz Acht zu Buche stand, ist in Anbetracht der Profiteams, mit denen die Deutschen sich messen mussten, ein großer Erfolg.

Mit sportpsychologischer Betreuung

Curling, das dem Eisstockschießen ähnelt und auch Nähen zu Boccia und Schach aufweist, hat eine Tradition, die wenigstens bis ins frühe 16. Jhd. zurückreicht. Jedenfalls stammt der angeblich älteste erhaltene Curlingstein aus dem Jahr 1511 und aus Schottland. Olympisch war Curling erstmals 1998 in Nagano. Seither durchlebt diese Sportart im Vierjahresturnus einen immer wiederkehrenden medialen Kurzhype, der sich meist am späteren Abend abspielt, wenn der Chillmodus angestellt ist: Der Kopf braucht noch ein wenig Bewegung, möchte sich an der glänzenden Eisfläche aber gleichwohl entspannen. Und wenn der Stein dann im Haus landet, ist alles gut. Das ist ein Teil des Geheimnisses dieser Sportart, die seit Turin 2006 auch paralympisch ausgetragen wird. Nach Vancouver 2010 war nun Pyeongchang zum zweiten Mal ein deutsches Team am Start. Dies auch mit Heike Melchior, die nach einer schweren Erkrankung ebenfalls im Rollstuhl sitzt. Wie auch ihre Teamkollegen muss die Heilpädagogin (50) immer wieder einiges Geld in die Hand nehmen, um beispielsweise in Füssen, auf bestem Eis, trainieren zu können. Für wichtige Wettkämpfe geht es nach Tschechien, nach Schottland oder auch in die Schweiz: „Die Beharrlichkeit hat mich weitergebracht“, sagt eine Frau, die sich freut, die Stiftung Sporthilfe Hessen hinter sich zu wissen und auch den Olympiastützpunkt Hessen, der die Rollstuhlcurler seit einigen Jahren sportpsychologisch betreut. Zumal: Melchior musste vieles aufgeben, als sie krank wurde: ihre Schafe und Pferde gehören dazu. Aber sie hat ja den Jupp, einen Hütehund, der ihr zur Seite steht und sich über die Rückkehr seines Frauchens sicher gefreut haben dürfte. Die Stiftung Sporthilfe Hessen wiederum freut sich mit einem Team, das bei den Paralympics mit einigen sehr guten Leistungen und einem erkennbaren Zusammenhalt überzeugen konnte.