Hessische Erfolgsgeschichten: Stephan Leyhe und sein unverhofftes Silberglück

Hessische Erfolgsgeschichten: Stephan Leyhe und sein unverhofftes Silberglück

Hessische Erfolgsgeschichten: Stephan Leyhe und sein unverhofftes Silberglück

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes

Es war fast ein beschämter Blick, den Stephan Leyhe (SC Willingen) unmittelbar nach dem Gewinn der Silbermedaille im olympischen Teamwettbewerb der Skispringer zu Werner Schuster hinüber warf. Soeben hatte der Trainer der in Pyeongchang so erfolgreichen deutschen Adler lobende Worte für den Nordhessen gefunden. „Stephan ist ein wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft“, sagte der Chefcoach, woraufhin Leyhe sich mehr als bedankte. „Das ist Balsam auf die Seele“, erwiderte der 26 Jahre alte Sportsoldat, der aber auch nicht verschwieg, dass es bei allem guten Spirit doch ganz schön „hart“ sei, zu diesem Weltklasseteam dazuzugehören.

Was er damit meinte, das dürfte bekannt sein: Denn trotz ansprechender Trainingsleistungen konnte sich Stephan Leyhe weder für das Einzelspringen auf der Normalschanze qualifizieren, noch war er in der Lage, sich auf der für ihn besser geeigneten Großschanze einen Startplatz zu sichern. Es sah ganz danach aus, als würde er aus der Rolle des Ersatzmannes nicht herauskommen. Doch als ein Claqueur, als der, der immer nur zuschaut, die Kollegen abklatscht und dazu freudige Facebook-Posts abliefert, wollte er nicht enden. Und dann hat er den Part des Zuschauers beim Teamspringen tatsächlich an Markus Eisenbichler (TSV Siegsdorf) abgeben können. Selbiger stellte daraufhin ein Foto ins Netz, das ihn als einen traurigen Mann beim Abschied von Olympia zeigt. Stephan Leyhe wird es ihm nachgefühlt haben. Und genau diese Empathie mag auch der Grund für die verhaltene Reaktion des gebürtigen Willingers bei der Blumenzeremonie mit den siegreichen Norwegern und drittplatzierten Polen gewesen sein.

Ein hessisches Highlight

Rückblickend war nämlich schon die reine Olympia-Nominierung ein großer Erfolg für Stephan Leyhe. Noch vor zwei Jahren hatte er eine Teilnahme in Pyeongchang als „schönen Traum“ bezeichnet. Für ihn war das damals mehr Wuschdenken denn realistisches Ziel. Zumal: Dass sich ein Hesse für Winterspiele qualifiziert, ist nach wie vor alles andere als selbstverständlich. Die Biathletin Petra Behle (ebenfalls SC Willingen) hat 1998 in Nagano die Goldmedaille mit der Staffel gewonnen. Ein seltener Höhepunkt war das, und die Pause danach war lange. Doch Leyhe, der sich aus den hessischen Förderstrukturen um das Skiinternat in Willingen und mit Unterstützung der Stiftung Sporthilfe Hessen sukzessive in die Weltklasse hineinentwickelt hat, konnte den nicht zu unterschätzenden geografischen Nachteil dank seiner Beharrlichkeit stets wettmachen. In diesem olympischen Winter mag auf dem ausgeglichen wirkenden jungen Mann dennoch ein verstärkter Druck gelastet haben, der ihn vermutlich den ein oder anderen Weitenmeter gekostet hat: Bei der Vierschanzentournee 2016/17 wurde er Achter im Endklassement, diesmal „nur“ Zwölfter. Doch es ist wie mit allen Qualifikationen im Leben: Am Ende zählt nicht die Vorgeschichte, sondern nur das, was man daraus macht.