Hessische Erfolgsgeschichten: Lea Tkaltschewitsch turnt von Sieg zu Sieg | Stiftung Sporthilfe Hessen

Hessische Erfolgsgeschichten: Lea Tkaltschewitsch turnt von Sieg zu Sieg

Hessische Erfolgsgeschichten: Lea Tkaltschewitsch turnt von Sieg zu Sieg

Hessische Erfolgsgeschichten: Lea Tkaltschewitsch turnt von Sieg zu Sieg

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes

Es sind Trainingsumfänge, die sprachlos machen. Gut 35 Stunden wöchentlich kommen bei Lea Tkaltschewitsch (TSG Neu-Isenburg) zusammen, die für diesen professionellen Einsatz bei der Deutschen Meisterschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik im Mai in Berlin mit fünf Titel belohnt wurde: Neben dem Mehrkampf gewann sie die Entscheidungen mit dem Ball und der Keule, mit dem Reifen und mit dem Band. Die 17 Jahre alte Schülerin ist damit die derzeit erfolgreichste deutsche Sportgymnastin. Auf internationaler Ebene sieht sie für sich selbst jedoch keinerlei Chance. Zwar sei es realistisch, bei der WM in Sofia im September im Mehrkampf das Finale zu erreichen, wozu sich die Obertshausenerin in der Qualifikation unter den ersten 21 Gymnastinnen platzieren müsste. Bei der Frage nach einem Gerätefinale lacht Tkaltschewitsch allerdings auf: „Nein, das ist völlig unmöglich“, sagt sie dann knapp – die Osteuropäerinnen seien einfach zu dominant.

Wir kriegen bei all dem Aufwand auch nicht so die Anerkennung“, bedauert Tkaltschewitsch, die seit fünf Jahren im einzigen deutschen Olympiastützpunkt in Stuttgart und beim dortigen TSV Schmiden trainiert. Schon als Zwölfjährige hat sie ihr Elternhaus deshalb verlassen, lebte zunächst im Internat, hat gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Sina, die als Gruppen-Gymnastin ebenfalls sehr erfolgreich ist, inzwischen jedoch eine eigene Wohnung in Stuttgart bezogen. An die erste Zeit der Trennung von Lea denkt Vater Jochen Tkaltschewitsch nur ungerne zurück: „Das war absolut schwierig damals, aber für uns Eltern sicherlich noch mehr als für die Kleine, die ja so viele neue Eindrücke verarbeiten konnte.“ Finanzielle Unterstützung durch die Stiftung Sporthilfe Hessen kam ab 2013 hinzu, worüber die Familie sehr dankbar ist. Gleichwohl waren die Eltern doch lange in großer Sorge um das Wohl der beiden Mädchen, die sich als Freundinnen verstehen, nicht als Konkurrentinnen: Erst als uns Ex-Gymnastinnen erzählt haben, dass sie es trotz all dem Aufwand noch einmal tun würden, waren wir etwas beruhigter“, so der Vater, der dann die Disziplin seiner Töchter lobt und der mittlerweile auch weiß, dass die Liebe zur Rhythmischen Sportgymnastik so manchen Zweifel an der Sache zu zerstreuen vermag.

Mit der Schwester nach Tokio?

So weiß Lea Tkaltschewitsch natürlich, warum es kaum Weltklasse-Gymnastinnen gibt, die älter als 25 Jahre sind. „Die meisten Frauen wollen dann ein normales Leben führen, und es gibt auch Verletzungen“, so die Gymnasiastin, die bislang allerdings noch keine schwerwiegenden Blessuren davongetragen hat. Wo die Reise für sie sportlich hinführen soll, das ist klar: 2020 in Tokio möchte sie an den Olympischen Spielen teilnehmen. Um sich als Einzel-Gymnastin zu qualifizieren, dürfte sie bei der WM 2019 in Baku im Mehrkampf schlechtestenfalls den 17. Platz belegen. Sie hofft, dieses hohe Ziel zu errreichen und würde es dann ihrer Schwester nachzutun, die mit der Gruppe bereits 2016 in Rio dabei war. Und auch Sina Tkaltschewitsch wird um ein Olympia-Ticket turnen. Vielleicht sind die Schwestern dann ja beide in Tokio am Start.