Hessische Erfolgsgeschichten: Warum Christian Reitz Weltrekorde eher gelassen nimmt.

Hessische Erfolgsgeschichten: Warum Christian Reitz Weltrekorde eher gelassen nimmt.

Hessische Erfolgsgeschichten: Warum Christian Reitz Weltrekorde eher gelassen nimmt.

In der Serie „Hessische Erfolgsgeschichten“ portraitiert die Stiftung Sporthilfe Hessen erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler unseres Landes.

Seit bald einer Dekade zählt der Sportschütze Christian Reitz (SV Kriftel 1935) zu den erfolgreichsten hessischen Athleten. Und es sieht ganz danach aus, als würde das in den kommenden Jahren immer so weitergehen. Denn nach seinem Olympiasieg von Rio de Janeiro 2016 mit der Schnellfeuerpistole hat er keine Schwäche gezeigt. Es ging nahtlos weiter – immer am Limit, immer Weltspitze. Auch schon vor dem diesjährigen Saisonhöhepunkt, der EM in Baku (21.07 bis 04.08.), hat sich der hessische Polizeikommissar für die Favoritenrolle in seiner Paradedisziplin in Stellung gebracht. Denn ebenfalls in Aserbaidschan, in der Stadt mit dem sonderbaren Namen Qäbälä, hat der 30-Jährige jüngst seinen 11. Weltcupsieg mit einem Weltrekord gekrönt oder kombiniert, wie man es nimmt. Ein Weltrekord ist in der Welt der Sportschützen nämlich nicht ganz so weltbewegend wie in der Leichtathletik, wo es, vielleicht auch zum Glück, noch Jahrzehnte dauern kann, bis ein Mensch neun Meter springt, um nur einmal den Weitsprung als Beispiel zu nehmen.

Mit der Schnellfeuerpistole hält Reitz den Vorkampf-Weltrekord gemeinsam mit einem Koreaner, und nun war er auch im Finale so gut wie vor ihm noch kein anderer Mensch auf der Welt (35 von 40 möglichen Treffern). Will heißen, dass er den Finalweltrekord eingestellt hat. Vor ihm hatten bereits drei andere Schützen dieses Ergebnis erzielt – der Italienier Ricardo Manzetti war beim Weltcup 2014 in Peking der erste. „Es wäre schöner gewesen, einen neuen Weltrekord aufzustellen, aber ich bin trotzdem sehr stolz. Das muss man ja sein,“ sagt Christian Reitz, der vom Weltverband der Sportschützen (ISSF) dafür eine Urkunde in Empfang nehmen wird. Ansonsten habe er persönlich nichts davon, außer der Ehre. Das klingt enttäuscht, was auch damit zusammenhängt,  dass es in anderen Ländern Prämien für Weltrekorde gibt, in Deutschland nicht. „Da kommen schon beträchtliche Summen zusammen“, so Reitz, der es bedauert, dass es eine monetäre Anerkennung hierzulande nicht gibt. Einschränkend sagt er aber auch, dass er seinen Sport nicht des Geldes wegen betreibe: „Da hätte ich mir eine andere Sportart aussuchen müssen.“ Der Unterstützung durch die Stiftung Sporthilfe Hessen räumt er deshalb einen hohen Stellenwert ein.

Bescheidenheit ist eine Zier

Auf dem Weg zur EM in Baku, wo Christian Reitz 2015 bereits die Europaspiele gewonnen hatte, jagt nun ein Trainingslager das nächste. Mit dabei sind seine Vereinskollegen Oliver Geis und Aaron Sauter. Zu bedenken ist dabei, dass Geis in der aserbaidschanischen Hauptstadt als Titelverteidiger an den Start gehen wird; 2015 war er im Einzel und mit der Mannschaft Europameister geworden. Die deutschen Schnellfeuerpistolenschützen bestehen also aus einem Team, das quasi auf Augenhöhe agiert und sich menschlich auch kennt. Dass das Trio zu den Medaillenanwärten zählt, das ist logisch – allen voran natürlich Christian Reitz, der aus den internen Qualifikationswettbewerben als Sieger hervorgegangen ist und zu Jahresbeginn, bei der Luftdruck-EM, nebenbei schon mal den kontinentalen Titel mit der Luftpistole gewonnen hat. In Anbetracht der trefflichen Standbedingungen in Baku, die dem Meister gut liegen, dürfte ein Platz auf dem Treppchen im Visier liegen. Der Olympiasieger äußert sich lieber verhalten: „Ganz unschlagbar bin ich ja auch nicht.“